Suche: Interpret Titel Label go
GOOD TIMES:




Ausgabe 2004-01:
Vom Plattenladen zum Label - das gab´s mit Rough Trade nicht nur in Punk-London, sondern auch in der Pariser Rue Pierre Sarrazin, wo Patrick Mathé und Louis Thévenon Anfang 1980 ihr New Rose-Unternahmen starteten, benannt nach der Damned-Single. Sie verkauften fleissig die neue Musik jener Jahre und veroeffentlichten von 1981 bis 1994 auf ihrem Label 349 Alben und 176 Singles. Eine repraesentative Auswahl davon ist nun auf der Vier-CDs-Box NEW ROSE STORY (85 Tracks) und der Einzel-CD STORIES (21 Tracks, 3 Ueberschneidungen mit der Box) erschienen; zusammen mit dem 1987er Sampler PLAY NEW ROSE FOR ME ergibt sich ein herrliches Gesamtportraet des aufregenden Rosen-Gartens.

Bei leichter Vereinfachung laesst sich das Spektrum der Interpreten in drei Kategorien aufteilen. Erstens: Pre-Punk-Artisten mit Ueberlebenswillen: Bo Diddley, The Troggs, Chris Spedding, Johnny Thunders, Roky Erickson, Moe Tucker, Alex Chilton.... Zweitens: Die Creme der amerikanischen Roots-Rocker und Neo-Singer/Songwriter der achtziger Jahre: True West, Lyres, Leroi Brothers, Giant Sand, Blood On The Saddle, Chris Burroughs, Calvin Russell, Kimmie Rhodes.... Drittens: Schrullige Aussenseiter und unangepasste Geheimtips: The Count, Sky Saxon, Cub Koda, The Cramps, Reptiles At Dawn, The Legendary Stardust Cowboy, Tav Falco....Und so reicht denn die Musik von Punk-Eruptionen und Swamprock-Bomben ueber aussergewoehnliche Coverversionen von Klassikern bis zu zeitlosen Perlen des Country-Rocks. Insgesamt fast sechseinhalb Stunden vortrefflicher Musik, dazu feine (Hochformat-)Booklets mit Kurz-Bios der Kuenstler. Eine Fundgrube fuer undogmatische Fans!

(Hans-Juergen Guenther)





Ausgabe Jan 00:
Live-CD des Frontmanns der Bostoner Ur-Garagen Boom Boom Band von 1982. Erdig, mit eigenwilligen Cover-Versionen ("Be Bop A Lula", "Tennessee Waltz"), Punk und energisch-derbem wie schraegen Powerrck. Immer frisch und emphelenswert.
(Philipp Roser)





Ausgabe 2005-01:
In den 70er Jahren liessen die Saints, eine australische Indie-Band, erstmals aufhorchen. Sie erspielten sich bald Kult-Status erspielte, den die EMI kuerzlich mit der 4-CD-Box ALL TIMES THROUGH PARADISE wuerdigte. Ihr Frontmann war Chris Bailey, der 1984 solo das Live-Album WHAT WE DID ON OUR HOLIDAYS veroeffentlichte; 1983 folgte CASABLANCA, das vor allem ausgereifte Demos enthielt; 1993 folgten SAVAGE ENTERTAINMENT und die EP "Do They Come From You?". Alles ist auf DM BLUES zusammengefasst, plus drei 1990 konzertant aufgezeichnete Lieder. Das Fundament aller Nummern - eigene Songs und Fremdvorlagen wie "In The Midnight Hour" (Pickett/Cropper), "Walk On" (Terry/McGhee), "Bring It On Home To Me" (Cooke) oder "Amsterdam" (Brel) - liefert der Blues. Bailey, dem der Punk ebenso wenig fremd ist wie Singer/Songwritertum, hat eine Mischung gebraut, die heute vor allem in reduziert-akustischem Vortrag immer eindrucksvoll ist und belegt, fuer wie viele stilistische Entwicklungen der Blues die Basis lieferte.
(Philipp Roser)





Ausgabe Jan 00:
Ab Mitte der 70er Jahre gehoerte Willie Alexander mit seiner Boom Boom Band zu den wichtigsten Underground- und Garagen-Acts der US-Ostkueste und beeinflusste manche der spaeter sehr viel erfolgreicheren amerikanischen Punk-Akteure. 2003 reformierte sich die Truppe nach laengerer Inaktivitaet. Die neue CD DOG BAR YACHT CLUB ist im Wesentlichen ein abwechslungsreicher Songzyklus ueber Alexanders Heimatstadt Boston, der Raum laesst fuer die immer noch unter der Oberflaeche existente explodierende Prae-Punk-Attituede (Gitarrist Billy Loosigian, aus dessen Spiel die praegenden Elemente Beck & Page herauszuhoeren sind). Sev Grossmann sorgt mit seinem pumpenden Bass fuer Dauergroove, der mal kraeftiger ins Ohr geht, mal dezent dahin schleicht.
Es gibt einfach simpel-schoene Nummern wie "Gravely Hill" (dafuer hat es der von Charles Olson stammendeText in sich), aber auch eher epische, sich dahin schleppende ("Fred Buck´s Footsteps"), hintergruendige Auseinandersetzungen mit dem Thema Tod und Leben ("Who Killed Deanna"). DOG BAR praesentiert reifen Garagen-Rock mit durchaus kraeftigen Restspuren einstiger Aufsaessigkeit - und live soll laut Augenzeugen die Post bei den Mittfuenfzigern immer noch hoellisch abgehen.

(Philipp Roser)





Ausgabe 2004-03:
Kleine Werkschau (Best-Of-CD plus DVD) eines Texaners, der noch zu wenig bekannt ist. Unter Calvin Russells Cowboyhut steckt das gegerbte Ledergesicht eines Mannes, der einem Song von Woody Guthrie entsprungen ist. Und wenn er seine Stories ueber das grosse und kleine Elend der Welt erzaehlt, merkt man, dass er auf der "bad side of town" aufgewachsen ist. Russell reiste lange Zeit unstet umher, lernte mexikanische Gefaengnisse von innen kennen, reifte zum nachdenklichen, zutiefst humanen Zeitgenossen und schreibt Songs darueber, die prall gefuellt sind mit frustrierten Verlierern. Aber Russell spendet ihnen Trost und schlaegt Hoffnungsschneisen. Die Musik dazu ist eine Mischung aus Blues-Nummern mit drohender, bohrender Gitarre, gut ausbalancierten Balladen, knallharten Rockern und locker trabenden Country-Toenen.
(Hans-Juergen Guenther)





Ausgabe 2004-02:
In Frankreich ist Phil Edwards dank einem Dutzend Alben ein geschaetzter Rock-Entertainer, hier zu Lande hingegen ist er nahezu unbekannt. Der 40-Jaehrige haette mehr Wahrnehmung verdient, wie diese ANTHOLOGY belegt: Edwards hat eine breite Palette drauf, die vom traditionellen Rock´n´Roll ("Good Rockin´ Tonight", "Lawdy Miss Clawdy") ueber Rockabilly ("Hole In My Pocket") sowie angerockten Country ("Folsom Prison Blues") bis zu Crooner-Vortrag und nicht mal missratenem Roy-Orbison-Pop-Verschnitt ("Only The Lonely") reicht. Auch Auszuege aus seiner Weihnachtsplatte sind hier zu hoeren. Dabei stuetzt sich Edwards praktisch ausschliesslich auf Fremdkompositionen und hat fuer sich auch Qualitaetslieferanten wie Tony Joe White oder Rodney Crowell entdeckt.
(Philipp Roser)





Ausgabe 2004-01:
Wer - aus welchen Gruenden auch immer - noch keine Perkins-CD sein Eigen nennt, greife beruhigt zu dieser Kompilation. Sie enthaelt die essenziellen Aufnahmen dieses Rock´n´Rollers, darunter seinen Super- Hit "Blue Suede Shoes" (1956, US #4) und die von den Beatles nur allzu gern uebernommenen Treffer "Honey Don´t", "Matchbox" und "Everybody´s Trying To Be My Baby". Vor allem Ringo war ein Fan des kommerziell eher ungluecklich agierenden Perkins, dem gewiss mehr Anerkennung als umgemuenzter Ruhm zuteil wurde. Die - leider allzu kurze - Werkschau (darunter auch eine hoerenswerte Version des Platters-Hits "Only You") wird ergaenzt durch gute Bonus-Tracks in Form von (unveroeffentlichten) Alternativversionen.
(Hans-Juergen Guenther)





Ausgabe 2004-06:
Anfang der 50er Jahre lernte Richard Penniman in Atlanta den Blueser und Orchesterchef Billy Wright kennen, der ihn nicht nur musikalisch beeinflusste, sondern auch unter die Fittiche nahm und ihm einen Vertrag bei RCA verschaffte. Wright und seine Musiker begleiteten den singenden Pianisten auch bei seinen ersten Aufnahmen am 16. Oktober 1951 und 12. Januar 1952, als Little Richard unter anderem seine Eigenkomposition "Every Hour" und die erste Single "Taxi Blues" einspielte. Das Repertoire auf BIRTH OF A LEGEND besteht aus viel (Jumping-)Blues, reichlich Big-Band-Swing, Balladen und Andeutungen des spaeter fuer Little Richard so typischen Haemmerpiano-Rock'n'Roll - dazu kommen ein paar Aufnahmen Wrights mit seiner Big Band von 1949. Der Titel macht deutlich, was hier in akzeptabler Klangqualitaet zu hoeren ist: die fruehen Geh-versuche eines spaeteren R&R-Dinos - samt eines kurzen Interviews Little Richards von 1975.
(Philipp Roser)





Ausgabe Dez 99:
Richard Penniman alias Little Richard hatte in der ersten Haelfte der 50er Jahre seine ersten Gehversuche in der Musikszene unternommen, vor allem im R&B-Sektor und an der Seite von Johnny Otis. 1955 schickte er ein Demo an Speciality Records, wurde zu Auditions nach New Orleans eingeladen und spielte dabei in einer Pause spontan eine erste, noch recht anzuegliche Version von "Tutti Frutti" - der Anfang einer ueberaus erfolgreichen, bewegten und wechselhaften Karriere. Die Single "Tutti Frutti" schlug 1956 voll ein, weitere Hits folgten, ehe 1957 sein Albumdebuet HERE´S LITTLE RICHARD erschien. Nicht alle in den Pop- und R&B-Charts verzeichneten Erfolge waren enthalten, aber "Tutti Frutti", "Long Tall Sally", "Ready Teddy", "Slippin´ And Slidin´" und "Rip It Up" waren dabei, also seine Rock´n´Roll-Fetzer, desgleichen aber auch mit Orchester eingespielte Nummern wie "Baby". Und selbst die waren wilder und rauer als das, was die damaligen Kollegen und Konkurrenten zu bieten hatten - kein Wunder, dass vor allem junge Musikfans darauf ansprangen. Vielfach folgten die Songs demselben (Erfolgs-)Strickmuster: treibendes Piano des Pro-tagonisten, Sax-Solo von Lee Allen, draengender Beat und dazu Richards frenetischer Gesang. Schade, dass die klanglich beachtlich nachgebesserte Neuauflage als TUTTI FRUTTI - ALBUM NO. 1 ausser knappen franzoesischen Liner-Notes keinerlei Infos bietet - auch nicht ueber die vier Bonus-Tracks.






Ausgabe Dez 99:
Die nasal-quaeksigen Stimmen nerven zwar auf Dauer ein wenig, aber zwischendurch sind Los Pinguinos Del Norte mit ihren Akkordeon-dominierten Stuecken ganz nett anzuhoeren. Textlich (spanisch gesungen) ist es politisch inspirierte Arbeiter- und Underdog-Musik, die das authentische Norteno-Quartett seit ueber drei Jahrzehnten in Kantinen und Bars spielt - inhaltsschwanger, musikalisch aber meist beschwingt. CORRIDOS wurde weitgehend 1970 per Zweispurmaschine live mitgeschnitten, drei weitere Nummern einspurig 1975. Fuer Ohren, die auf Rock getrimmt sind, insgesamt allerdings ueber eine ganze CD hinweg ermuedend. Zu loben ist das informative Booklet mit englischen Uebersetzungen der Lyrics.
(Philipp Roser)





Ausgabe Dez 99:
Zweites posthumes Album von Randy California & Spirit von 2002, mit einer stilistisch bunten Mixtur aus dem Archiv auf zwei CDs. Dazu gibt es im informativen Booklet Interessantes zu jedem der 28 Songs. Relativ ruhiges, melodisch fliessendes, teilweise geradezu meditatives Songmaterial dominiert. Selten langen California und seine Band haerter hin oder experimentieren.
(Philipp Roser)





Ausgabe 2005-02:
Der Irak-Krieg driftet zusehends Richtung Vietnam-Krieg, und zufaellig (?!) erscheint ein Album eines Alt-Barden, das die regierungskritische Folk-Rock-Szene der Sixties thematisiert. Eric Andersen war dabei, als rebel music in the air neue Massstaebe setzte. Und nun singt er zeitgemaess arrangierte Songs von damals. Darunter sind unsterbliche Lieder wie Buffy St. Maries "Universal Soldier" in einer Gaensehaut-Version, das aehnlich eindrucksvolle "I Ain't Marching Anymore" (Phil Ochs), eine 9:42-Minuten-Fassung von "A Hard Rain's A-Gonna Fall" (Bob Dylan) und Andersens eigener Klassiker "Waves Of Freedom". Hinzu kommen weitere Hochkaraeter wie Tim Hardins "Misty Roses" und Pete La Farges "Johnny Half-Breed" sowie Lieder von Fred Neil, Paul Siebel und David Blue. Alles eingespielt von einer konzentrierten Musikerschar, die von Veteranen wie Happy Traum und John Sebastian bis zum aktuellen Star Wyclef Jean reicht. Was sie eint, ist die Liebe zur guten Musik - und ein hellwacher Geist. Diese eindrucksvolle CD hat "Great American Song Series Vol. 1" zum Untertitel.
(hjg)

Seite (1/7)weiter >>