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Ausgabe :
Das CKE versucht (und das haben sie mit Budowitz gemeinsam), anhand alter Aufnahmen und musikethnologischer regionaler Forschungen den Klang von Klezmer-Musik in Europa vor Edison und Emil Berliner nachzuvollziehen. Dabei beschraenken sie sich nicht auf traditionelle Kompositionen (obwohl sie davon ein eindrucksvolles Archiv besitzen), sondern verinnerlichen diesen Stil derart, dass ihre Neukompositionen sich nahtlos einfuegen (A Yidishe Neshome klingt fuer manche fast schon zu juedisch). Das ist, was Feldman meint wenn er sagt, dass man die Band nicht unter Traditionalisten oder Erneuerer einstufen kann.

Der Vorwurf, diese Art von Klezmer-Musik sei langweilig ist selbst langweilig und kann leicht widerlegt werden. Die Tage der juedischen Kultur in Chemnitz ziehen wahrlich keine Freunde der Kammermusik, und im Juni 1999 brachte das CKE bei ihrem ersten Europa-Auftritt den gesamten Saal zum Swingen. Denn sobald man sich auf diese Musik einlaesst, wird man Zeuge einer akkustischen und rhythmischen Dynamik, die seinesgleichen sucht (mit Ausnahme vielleicht von Brave Old World, deren Klarinettist Bjorling auch ist, und deren musikalischer Leiter Alan Bern ein aehnliches Konzept von Dynamik hat). Die Arrangements des CKE haben in der Regel eine Spannung, wie sie bei guter Konzertmusik vorkommt. Sicher ist es keine vordergruendige Tanzmusik, diesen Anspruch hat sich die Band nie gestellt, auch keine Party-Musik, was sie von den `Matics unterscheidet. Aber neben BOW ist das CKE eines der besten Konzertensembles.

Zev Feldman ist Musikethnologe und einer der theoretischen und musikalischen Koepfe des Revivals. Als Wissenschaftler hat er womoeglich nicht jene entzuendende Sprache, die junge Menschen im Bann haelt. Aber was er sagt, ist relevant. Er kennt Bjorling und die Band lang. Feldmans Platte mit Andy Statman gehoert immer noch zum besten, was das Revival hervorgebracht hat.
(Heiko Lehmann)

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